Martin Fröst
Martin Fröst Bild © Mats Backer

Anders Hillborg: Klarinettenkonzert »Peacock Tales« / Peter Tschaikowsky: 4. Sinfonie

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Programm

MARTIN FRÖST | Klarinette
CARLOS MIGUEL PRIETO | Dirigent

Anders Hillborg | Klarinettenkonzert »Peacock Tales«
Peter Tschaikowsky | 4. Sinfonie

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Da wird der Solist zum Performer, er interpretiert mit seinem gesamten Körper: Für Anders Hillborgs Klarinettenkonzert »Peacock Tales« wird Martin Fröst eine Tiermaske tragen und während des Musizierens tanzen – ein Street Dancer und ein klassisch ausgebildeter Ballett-Tänzer haben mit ihm eine Choreografie für diese schillernde, ganz auf sein außerordentliches Können zugeschnittene Pfauenrad-Musik erarbeitet. Fröst, der charismatische Schwede, geht eben gerne über Grenzen, seine Konzerte stellen die Musik ebenso wie die klassische Konzertsituation buchstäblich in ein neues Licht. Ganz aus sich heraus ging auch Peter Tschaikowsky mit seiner 4. Sinfonie. Es ist reine Empfindungsmusik, mal melancholisch dunkel, mal gleißend hell, mal verstörend still, mal brachial lärmend. So wechselhaft eben wie das Leben selbst.

Anders Hillborg (*1954)
Klarinettenkonzert »Peacock Tales« (Millennium Version) (1998)

DER KOMPONIST

Anders Hillborg, geboren 1954 in Stockholm, zählt zu den wichtigsten und erfolgreichsten skandinavischen Komponisten unserer Tage. Er studierte von 1976 bis 1982 Kontrapunkt, Komposition und Elektronische Musik u.a. bei Gunnar Bucht, Lars-Erik Rosell, Arne Mellnäs und Pär Lindgren an der Königlichen Musikakademie Stockholm. Dort war auch der britische Komponist Brian Ferneyhough mehrfach als Gastdozent tätig, von dem Anders Hillborg weitere wesentliche Anregungen erhielt. Von einzelnen Lehraufträgen abgesehen arbeitet Anders Hillborg seit dem Abschluss seiner Studien als freischaffender Komponist und wurde bereits mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet. Er war Composer-in-Residence u.a. beim Aspen Music Festival 2008 und beim NDR Elbphilharmonie Orchester in der Saison 2015/16.

Kompositionsaufträge erhielt Anders Hillborg von so renommierten Orchestern und Veranstaltern wie dem Los Angeles Philharmonic, dem Chicago Symphony Orchestra, dem New York Philharmonic, der Carnegie Hall, den Berliner Philharmonikern, der Tonhalle Zürich, dem Schwedischen Radio-Sinfonieorchester und dem Royal Stockholm Philharmonic. Darüber hinaus haben zahlreiche bedeutende Dirigenten Hillborgs Werke auf ihre Programme gesetzt, darunter Esa-Pekka Salonen, Alan Gilbert, Sakari Oramo, Gustavo Dudamel, David Zinman, Yannick Nézet-Séguin, Michael Gielen, Jukka-Pekka Saraste, Kent Nagano, Susanna Mälkki und Daniel Harding. Anders Hillborg arbeitete außerdem eng mit Martin Fröst, Anne Sofie von Otter, Renée Fleming und Eric Ericson zusammen.

Die musikalische Sprache und Denkweise Anders Hillborgs wurde zunächst stark von György Ligeti und weiteren bedeutenden Komponisten der Neuen Musik wie Steve Reich, Iannis Xenakis und Morton Feldman beeinflusst. Sein stilistisch wie gattungsmäßig ausgesprochen vielfältiges Œuvre zeichnet ein undogmatischer Umgang mit dem musikalischen Material aus. Es umfasst Orchesterwerke (darunter mehrere Instrumentalkonzerte), Kompositionen für Blasorchester, Kammermusik und Chorstücke ebenso wie Filmmusiken und Popsongs.

DAS WERK

»Die Klarinette hat schon immer eine wichtige Rolle in meiner Musik gespielt.« So beginnen Anders Hillborgs Anmerkungen zu seinem Klarinettenkonzert mit dem Beinamen »Peacock Tales« (zu Deutsch »Pfauengeschichten« oder »Erzählungen eines Pfaus«). Und in der Tat schrieb der schwedische Komponist bereits 1982, im Jahr seines Studienabschlusses an der Stockholmer Musikhochschule, ein Lamento für Klarinette und Streicher, in dem »sich der Solist mit extremen Verschiebungen im Hinblick auf emotionalen Gehalt und Ausdruck konfrontiert sieht. In einer Reihe von Stücken habe ich meine Aufmerksamkeit auf die Fähigkeit der Klarinette gerichtet, einen grotesken und zuweilen dämonischen Charakter zu verkörpern, so etwa in meinem Orchesterwerk Liquid Marble, im Tango-/Varieté-Song En gul böjd banan und besonders in Paulinesian Procession, wo elf Klarinetten im extrem hohen Register einen ziemlich unglaublichen Klang produzieren…«

Zudem hat Hillborg bereits in den 1990er Jahren, im Vorfeld der Arbeit an Peacock Tales, eine Reihe kleinerer Klarinettenstücke für seinen Landsmann Martin Fröst komponiert, bevor dieser ihn schließlich um ein Konzertstück mit Orchesterbegleitung bat: Close Up (1990) für Klarinette (oder ein anderes Instrument ad libitum), Tampere Raw (1991) für Klarinette und Klavier, Nursery Rhymes (1996) und schließlich The Peacock Moment (1997) für Klarinette und Klavier/Tonband. Letzteres stellte laut Fröst so etwas wie die Keimzelle des späteren Klarinettenkonzerts dar: »Hillborg hatte eine Art Echo-Effekt entdeckt, der ihn total berauschte und der dann explosionsartig zu einem gewaltigen Monodrama für Klarinette und Orchester von 32 Minuten Dauer heranwuchs.«

Diese heute als »Original Version« bekannte Urfassung von Peacock Tales entstand in einem intensiven Schaffensprozess innerhalb von drei Monaten im Laufe des Sommers 1998 im Auftrag des Schwedischen Rundfunks und wurde im Oktober des gleichen Jahres mit dem Widmungsträger Martin Fröst und dem Schwedischen Radio-Sinfonieorchester unter Leif Segerstam uraufgeführt. Inzwischen existiert jedoch eine ganze Werkgruppe, die innerhalb relativ kurzer Zeit aus dem eigentlichen Stück erwachsen ist: Dazu zählt die auch heute Abend zu hörende »Millennium version«, die mit rund 15 Minuten Spielzeit wesentlich kürzer als die Originalversion ausfällt und am 6. Januar 2000 mit Fröst und dem Schwedischen Radio-Sinfonieorchester unter der Leitung von Niklas Willén erstmals erklang, weiterhin eine Kammerorchester-Fassung für Klarinette, Klavier und Streicher sowie zwei Bearbeitungen des Materials für Klarinette und Tonband.

»Dass Pantomime und Tanz einen integralen Bestandteil von Peacock Tales bilden sollten, war Martin Fröst von Anfang an ein Anliegen«, erinnert sich Anders Hillborg an die Genese seines inzwischen viele Hundert Mal weltweit aufgeführten Erfolgswerkes. »Daher war es ein wichtiger Aspekt der Komposition, aus dieser einzigartigen Kombination von Instrumentalist und Pantomime/Tänzer Nutzen zu ziehen.« Doch wie kam der Klarinettenvirtuose überhaupt auf diese ungewöhnliche Idee? »In den 1970er Jahren haben mehrere Komponisten versucht, Tanz und Instrumentalspiel miteinander zu vereinen«, so Martin Fröst. »Boulez und Stockhausen etwa, aber das Tanzelement war ziemlich primitiv. Ich dachte, es sollte möglich sein, ein Konzert mit einer richtigen Choreografie zu kreieren.«

»Bei meinen Vorbereitungen zu Peacock Tales arbeitete ich mit zwei verschiedenen Choreografen zusammen: einem Street Dancer (David Dammlo von der Bounce Streetdance Company) und einem klassischen Tänzer (Niklas Ek vom Cullberg Ballett). Ich habe acht Stunden täglich daran gearbeitet, und zwischendurch dachte ich, ich würde es nicht hinbekommen. Aber am Konzept selbst habe ich nie gezweifelt.«

Das Ergebnis ist jedenfalls ein außergewöhnliches Zusammenspiel von Musik, Lichteffekten, Pantomime und Tanz. »Nach der einleitenden, sehr sanften Klarinettenmusik setzen die Streicher nach und nach ein, und die Klarinette explodiert kreischend und mit wilden Glissandi«, skizziert Hillborg den Verlauf seiner Komposition. »Hier setzt eine Reise durch viele unterschiedliche musikalische und emotionale Stadien ein, während der Solist teils maskiert, teils unmaskiert erscheint.« Die Intensität steigert sich dabei in der zweiten Hälfte von Peacock Tales erheblich, wenn Anders Hillborg eine rituell-orgiastische Musik im Stile von Silvestre Revueltas – erbarmungslos vorangetrieben von großer Trommel, Kuhglocken, Maracas, Becken und Tom-Toms – mit avantgardistisch anmutenden Bigband-Anklängen mischt. Zum Schluss rundet eine kurze Reminiszenz an jene Klarinettenmelodie aus der ersten Hälfte der Peacock Tales das Stück ab, die mit ihrer vorgetäuschten Zweistimmigkeit entfernt an ähnliche Techniken in Johann Sebastian Bachs Solo-Werken für Violine oder Cello erinnert.

Adam Gellen

Peter Tschaikowsky (1840–1893)
4. Sinfonie f-Moll op. 36  (1877)

DER KOMPONIST

Peter Tschaikowsky, 1840 in Wotkinsk geboren und 1893 in St. Petersburg gestorben, ist einer der meistgespielten Komponisten im heutigen Konzertleben – wenn auch nur mit einem Teil seines über 80 Werke umfassenden Œuvres. Zeit seines Lebens war seine Musik jedoch umstritten. Seine Landsleute warfen Tschaikowsky vor, sich französischen, deutschen und italienischen Einflüssen zu stark unterworfen zu haben. Im westlichen Ausland wiederum galt er mit seiner überströmenden »Gefühlsmusik« als Verkörperung der berühmten »russischen Seele«. Beide Beurteilungen lehnte Tschaikowsky ab und ließ sich auf keinen Richtungsstreit ein. Und letzten Endes war er es, der der russischen Musik zu Weltruhm verholfen hat und der zum Vorbild für die nachfolgende Komponistengeneration wurde.

Der gelernte Jurist war zunächst in Staatsdiensten beschäftigt, bevor er die Musik zu seinem Hauptberuf machte. Bis 1865 studierte Tschaikowsky bei Anton Rubinstein am Petersburger Konservatorium, im Anschluss unterrichtete er als Theorielehrer am Konservatorium in Moskau. Schüchtern, menschenscheu und unter seiner homosexuellen Veranlagung leidend, wurde er oft von Depressionen heimgesucht. Eine nur wenige Wochen dauernde Ehe endete mit einem Selbstmordversuch. 1878 wurde ihm von Nadeshda von Meck, mit der er eine enge Brieffreundschaft aufbaute, eine jährliche Pension ausgesetzt, die ihn aller finanziellen Sorgen entledigte. Tschaikowsky gab seine Anstellung auf und widmete sich fortan ganz dem Komponieren. Das plötzliche Ende der langjährigen Unterstützung durch die großzügige Mäzenin im Jahre 1890 konnte er trotz weltweit großer Erfolge dann nicht verschmerzen. 1893 wurde er unter bis heute ungeklärten Umständen Opfer einer Cholera-Epidemie.

DAS WERK

Tschaikowskys 4. Sinfonie entstand in einer Krisenzeit, die zu den schwersten im Leben des Komponisten gehörte: Das Jahr 1877 hatte die überstürzte Heirat mit seiner Schülerin Antonina Miljukowa, die alsbaldige Trennung und einen Selbstmordversuch gebracht, als Tschaikowsky erkannte, dass seine homosexuelle Veranlagung unabänderlich und er zu keiner gesellschaftlich deckenden Ehe imstande war. Das Jahr 1877 brachte zugleich aber auch den größten Glücksfall in Tschaikowskys Leben: die mäzenatische Unterstützung durch Nadeshda von Meck. Die reiche Witwe war Besitzerin zweier einträglicher Eisenbahnlinien und fühlte sich zu Tschaikowsky in schwärmerischer Verehrung hingezogen. Eine der ungewöhnlichsten Brieffreundschaften der Musikgeschichte war die Folge, aus der im Verlauf von 14 Jahren mehr als 1200 Briefe hervorgingen, ohne dass die beiden sich je persönlich begegnet wären. Dank der ihm von Nadeshda von Meck zugesprochenen Pension in Höhe von 6000 Rubel im Jahr war Tschaikowsky fortan aller materiellen Sorgen entledigt.

Die tiefgreifenden Erfahrungen dieser Lebensphase wirkten sich auf die Schaffenskraft Tschaikowskys umgehend aus, nicht zuletzt auf seine Karriere: Noch im selben Jahr sollte er sowohl als Sinfoniker wie als Musikdramatiker den Grundstein zu seinem späteren Weltruhm legen. Beinahe gleichzeitig komponierte er seine Oper Eugen Onegin und die der Gönnerin gewidmete 4. Sinfonie, in der »meine Erinnerungen an die Leidenschaftlichkeit und Trübseligkeit meiner Empfindungen und Erfahrungen Widerhall fanden«, wie Tschaikowsky später bekannte. Kurz nach der Uraufführung des Werkes 1878 in Moskau hatte ihn Frau von Meck gebeten, ihr das »Programm« der 4. Sinfonie zu erläutern. Und in jener berühmt gewordenen Antwort hatte Tschaikowsky erstmals den Versuch unternommen, den Inhalt eines Instrumentalwerkes begrifflich zu umschreiben. Dabei ordnete er den Themen und Gedanken der Sinfonie Begriffe wie »Schicksalsgewalt«, »Hoffnungslosigkeit«, »Freude«, »Glück«, »Schwermut« etc. zu, schloss zugleich aber ein konkretes literarisches Programm ebenso aus wie die Vorstellung außermusikalischer Gegenstandsbeschreibungen – etwa einer Naturschilderung.

Bereits im Postscriptum des Briefes überkamen Tschaikowsky allerdings wegen der »Unklarheit und Mangelhaftigkeit des Programms« Zweifel. Dabei belegt das von ihm formulierte »Programm« jenseits seiner grundsätzlichen ästhetischen Problematik deutlich, dass es ihm bei der Komposition nicht um Programmmusik im engeren Sinn gegangen war, sondern darum, den inneren psychisch-emotionalen Reflex auf konkrete Erlebnisse und Erfahrungen, also die Gefühle und Empfindungen, die durch das wirkliche Leben ausgelöst werden, in Töne zu setzen.

Die Sinfonie beginnt dabei mit einer Fanfare in Trompeten und Hörnern, die nicht nur die Introduktion anzeigt, sondern letztlich an allen Scharnierstellen des Satzes sowie auch im Finale wieder auftaucht, dessen anfänglicher Optimismus durch den Einbruch der Fanfare in Frage gestellt wird, um am Ende dann schließlich umso triumphaler bestätigt zu werden. »Die Introduktion«, so erläuterte Tschaikowsky in seinem Brief an Nadeshda von Meck, »ist der Kern der ganzen Sinfonie und ohne Zweifel deren Hauptgedanke. Es ist das Fatum, jene Schicksalsgewalt, die uns hindert, mit Erfolg um unser Glück zu kämpfen, die eifersüchtig darüber wacht, dass Zufriedenheit und Frieden niemals vollständig oder unumwölkt sind, die wie ein Damoklesschwert über unseren Häuptern hängt und unablässig unsere Seele vergiftet. Sie ist unbesiegbar, sie kann nicht überwunden werden. Man muss sich ihr unterwerfen und zu einem unfruchtbaren Sehnen Zuflucht nehmen…«

Andreas Maul

Die Interpreten:

Martin Fröst

Der schwedische Klarinettist und Dirigent Martin Fröst ist bekannt für sein Bestreben, musikalische Grenzen zu verschieben. Einladungen erhielt er zu vielen bedeutenden Orchestern, darunter zum Concertgebouw-Orchester Amsterdam, dem Gewandhausorchester Leipzig, dem New York Philharmonic, dem Philharmonia Orchestra London und dem Orchestre National de France. Regelmäßig musiziert er mit Künstlerkollegen wie Sol Gabetta, Yuja Wang, Leif Ove Andsnes oder Antoine Tamestit.

In der Saison 2018/19 arbeitet Martin Fröst nicht nur mit dem hr-Sinfonieorchester intensiv als dessen aktueller »Principal Guest Artist« zusammen, sondern ist darüber hinaus auch »Artist in Residence« bei den Bamberger Symphonikern. Im vergangenen Sommer spielte er gemeinsam mit anderen Klassik-Stars wie Lisa Batiashvili und Evgeny Kissin beim Galakonzert zum 25-jährigen Bestehen des Verbier Festivals. In der letzten Spielzeit gab Martin Fröst Konzerte mit dem Los Angeles Philharmonic unter Gustavo Dudamel und spielte im Rahmen einer Nordamerika-Tournee u.a. in der New Yorker Carnegie Hall Messiaens Quatuor pour la fin du temps mit Janine Jansen, Torleif Thedéen und Lucas Debargue.

Ab 2019/20 ist Martin Fröst Chefdirigent des Swedish Chamber Orchestra. Daneben setzt er seine künstlerische Partnerschaft mit dem Saint Paul Chamber Orchestra in den USA fort. Martin Fröst gibt in der laufenden Saison Konzerte u.a. im New Yorker Lincoln Center, in der Barbican Hall in London, im Concertgebouw Amsterdam und in der Berliner Philharmonie sowie mit dem Quatuor Ébène in Bamberg. Er unternimmt außerdem Konzertreisen mit dem BBC Symphony Orchestra nach Spanien und mit dem Royal Stockholm Philharmonic in die Schweiz.

Als Exklusivkünstler von Sony Classical veröffentlicht Martin Fröst in diesem Jahr seine neuste CD mit Klarinetten-Transkriptionen von Vivaldi-Arien. 2014 erhielt er den Léonie Sonning Music Prize, eine der am höchsten dotierten und renommiertesten Auszeichnungen auf dem Gebiet der klassischen Musik.

Carlos Miguel Prieto

gilt mit seinen dynamischen und ausdrucksstarken Interpretationen als der führende mexikanische Dirigent seiner Generation. Seit 2007 wirkt er als Chefdirigent des Orquesta Sinfónica Nacional de México, außerdem leitet er das ebenfalls in Mexiko-Stadt beheimatete Orquesta Sinfónica de Minería. 2006 übernahm er zudem das Amt des Music Director beim Louisiana Philharmonic Orchestra in New Orleans.

In der aktuellen Spielzeit gibt Carlos Miguel Prieto seine Debüts beim National Symphony Orchestra Washington, beim Orquesta Sinfónica de Castilla y León und beim BBC Symphony Orchestra of Wales. Wiedereinladungen führen ihn außer zum hr-Sinfonieorchester, das er bereits 2011 und 2013 geleitet hat, auch zum Hallé Orchestra, zum Detroit Symphony, zum Royal Scottish National Orchestra und zum National Youth Orchestra of Great Britain.

Als Gastdirigent stand er bereits am Pult des London Philharmonic Orchestra und des NDR Elbphilharmonie Orchesters sowie zahlreicher bedeutender nordamerikanischer Orchester, darunter des Minnesota Orchestra und der Sinfonieorchester von Cleveland, Houston, Dallas und Toronto. Eine besonders enge und erfolgreiche Zusammenarbeit verbindet ihn dabei mit dem Chicago Symphony Orchestra.

Als überzeugter Anwalt der zeitgenössischen Musik dirigierte Carlos Miguel Prieto bislang über 100 Uraufführungen amerikanischer Komponisten. Darüber hinaus arbeitet er intensiv mit jungen Musikern zusammen, nicht zuletzt beim Youth Orchestra of the Americas, das er seit 2002 als Chefdirigent und seit 2011 als Musikdirektor leitet. Er gab mit diesem enthusiastischen Ensemble Konzerte bei der UNO, im Kennedy Center in Washington, in der New Yorker Carnegie Hall sowie auf Tourneen durch Südamerika und Mexiko. Im Sommer 2018 traten sie gemeinsam im Rahmen einer Konzertreise u.a. beim Rheingau Musik Festival, beim Edinburgh Festival und in der Elbphilharmonie Hamburg auf.

Carlos Miguel Prieto studierte an den Universitäten von Princeton und Harvard. Zu seinen Lehrern zählen Jorge Mester, Enrique Diemecke, Charles Bruck und Michael Jinbo. Seine CD-Einspielungen für Naxos, Sony und weitere Labels erhielten mehrere Preise, darunter 2018 einen »Opus Klassik« und zwei »Grammy«-Nominierungen.

Das renommierte Fachmagazin »Musical America« hat Carlos Miguel Prieto jüngst zum »Conductor of the Year 2019« ernannt.