Robert Trevino

Mit acht Jahren hörte er zum ersten Mal Mozarts »Requiem«. Das war für ihn der »Big Bang«. Seitdem ist Robert Trevino der Musik verfallen – und mit seinen gerade mal 34 Jahren einer der spannendsten US-amerikanischen Dirigenten und gefragtesten Talente der jüngeren Generation.

Über die Rolle als Dirigent macht Robert Trevino gerne Witze: »Ich bin einer der musikalischsten Menschen, aber ich mache keine Musik.« Die machen die Kollegen im Orchester oder auf der Bühne. »Auf der Bühne zu stehen und diesen Einfluss, den ich auf das Geschehen habe, zu spüren – das ist ein unglaublicher Moment.«

"Cheer Leader" für das Orchester

Ein Dirigent sei so etwas wie ein »Cheer Leader« für das Orchester. Er sollte das Orchester zusammenbringen, vereinen, es führen. »Wenn Sie 120 Musiker auf der Bühne habe, dann haben Sie auch 120 Meinungen. Das ist wirklich verrückt. Und trotzdem sollen wir einen spezifischen Moment in einer einheitlichen Weise aufführen. Dabei kann ein Dirigent helfen.«

"Go home!"

Trevinos Weg zur Musik war alles andere als leicht: Die Großeltern waren mexikanische Saisonarbeiter in der Landwirtschaft in Texas, wo sie sich niederlassen konnten. Sein Vater hatte drei Jobs, doch der Lohn reichte gerade für das Allernötigste. Trevinos Familie lebte in Fort Worth in einem Haus ohne Strom und Heizung.

»Wir waren die einzigen Mexikaner in diesem Viertel, und die Nachbarn warfen Bierflaschen gegen unsere Tür und schrien: ›'Geht heim‹«, erinnert sich der Dirigent in einem Interview mit der britischen Zeitung »The Telegraph«.

Erleuchtung im Pick-up

Als er acht Jahre alt war, hörte er im Pick-up seines Vaters Mozarts "Requiem". »In diesem Moment wusste ich, dass ich Musiker werden wollte«, so Trevino. Er schaute, so oft es ging, TV-Übertragungen von Konzerten an, und als er mit 15 Jahren Seiji Ozawa das Boston Symphony dirigieren sah, war sein langfristiges Ziel für ihn klar: Dirigent werden.

Er trat zunächst dem Schulorchester bei und spielte Fagott - gehänselt von seinen Mitschülern, aber gefördert von seinem Fagottlehrer, der ihm seine erste Partitur zum Dirigieren gab: Strawinskys »Le sacre du printemps«. Er biss sich durch die Noten, genauso verbissen – oder diszipliniert, wie er ab da sein Leben gestaltete: Schule, Ferienjobs und Üben, Üben, Üben.

Karrierestart

Er bekam ein Fagott-Stipendium an der Roosevelt University in Chicago, lebte von Reis mit etwas Salz, unterrichtete seine Schwester und half ihr durch ihre Drogenprobleme. Daneben arbeitete er sich durch eine Partitur nach der anderen. Er gründete eigene kleine Orchester, mit denen er Werke von Chicagoer Komponisten aufführte.

Nach vier Anläufen erhielt er ein Dirigier-Stipendium an der Aspen Summer School, eine der ersten Adressen für die Förderung von Musikstudenten in den USA. Er lernte Daniel Barenboim und Pierre Boulez kennen. Sein Durchbruch kam, als er eine Dirigierassistenz an der New York City Opera erhielt und kurz darauf Verdis Oper »Don Carlos« am Bolschoi-Theater dirigierte, gefeiert von Publikum und russischer Presse.

Auf dem Weg nach oben

Oft hatte Trevino das sprichwörtliche Glück, für andere – renommierte – Dirigenten einzuspringen. Seine erste feste Anstellung als Chefdirigent hatte er beim Baskischen Nationaltheater in San Sebastian und gab darüberhinaus Gastauftritte mit renommierten Orchestern wie die Münchner Philharmoniker, das London Philharmonic Orchestra, das San Francisco Symphony Orchestra und das Orchestre Nationale de France. 2016 dirigierte er das »Music Discovery Project« des hr-Sinfonieorchesters. Er wurde mit internationalen Preisen ausgezeichnet. Ab der kommenden Saison leitet er das Malmö Symphony Orchestra.

Musik ist für ihn der Inbegriff des Lebens: »Wenn die Musik gut ist, dann schafft man einen magischen Moment, in dem jeder, Schwarz oder Weiß, Liberale oder Konservative, Gläubige oder Atheisten vereint sind.«

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