Großer Sendesaal im  Funkhaus Dornbusch
Der Große Sendesaal des Hessischen Rundfunks Bild © Sepp Jäger

»Wo immer auf dieser Erde ein Bauwerk dieser Bestimmung dient, verzeichnet die kulturelle Landschaft ein Königreich.« Mit diesem pathetischen Satz legt am 28. Februar 1953 hr-Intendant Eberhard Beckmann den Grundstein für den Bau des hr-Sendesaals, der als »Großer Sendesaal« auf dem neuen Gelände am Frankfurter Dornbusch entsteht.

Mitte 1951 hatte der Umzug des Hessischen Rundfunks in sein neues »Funkhaus am Dornbusch« begonnen. Die letzten Abteilungen zogen im März 1954 von der Eschersheimer Landstraße in die Bertramstraße um, kurz vor Fertigstellung des Großen Sendesaals.

Menschen im Sendesaal
30. September 1954: Eröffnung des Großen Sendesaals mit Beethovens 9. Sinfonie unter der Leitung von Karl Böhm. Solisten sind Teresa Stich-Randall, Gertrude Pitzinger, Karl Friedrich und Gottlob Frick. Bild © hr-Archiv

Nach Plänen des Architekten Gerhard Weber errichtet, wird der Große Sendesaal zur Arbeits- und Wirkungsstätte des hr-Sinfonieorchesters, das unter den Chefdirigenten Otto Matzerath, Dean Dixon und Eliahu Inbal bis zu seinem Umbau Mitte der 1980er Jahre zum »hr-Sendesaal« dort über Jahrzehnte für das Radio produziert und seine Konzerte gibt.

Mazerath mit Orchester im Sendesaal
Das hr-Sinfonieorchester mit Chefdirigent Otto Matzerath im Großen Sendesaal Bild © Kurt Bethke

Technisch modernstens ausgestattet, besticht der Große Sendesaal architektonisch durch seine Strenge und Funktionalität. Weniger dem Auge als dem Ohr soll er dienen, und zwar vor allem dem des Radiohörers. So sind seine Wände mit 60.000 schallschluckenden Rundholzleisten ausgestattet, die für eine äußerst »trockene Akustik« sorgen – zu jener Zeit Grundvoraussetzung für hochwertige Musikproduktionen.

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Pierre Boulez

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Pierre Boulez: »Don« aus »Pli selon pli« für Sopran und Orchester, Aufnahme vom 27. Mai 1964

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Jenseits der Orchesterarbeit, die ein intensives Engagement für die zeitgenössische Musik miteinschließt, dient der Saal auch für andere Genres wie Jazz und Unterhaltung als Veranstaltungsort. Auch das »junge« Fernsehen findet in ihm eine Produktionsstätte: In den Fernsehshows »Zwei auf einem Pferd« (ab 1956) und »Die glücklichen Vier« (ab 1958) stellt etwa Quizmaster Hans-Joachim Kulenkampff darin seine charmanten Fragen und das hr-Tanz- und Unterhaltungsorchester unter Willy Berking liefert dazu swingende Musik. Außerdem erlebt der »Eurovision Song Contest« – 1957 vom Hessischen Rundfunk noch unter dem Titel »Grand Prix Eurovision de la Chanson« das zweite Mal veranstaltet – im Großen Sendesaal eine wichtige frühe internationale Sternstunde.

Im Laufe der Geschichte wird der Sendesaal aber auch zu einem Ort für vielbeachtete Lesungen und Diskussionen. Den wohl heftigsten Disput erlebt er am 28. Mai 1968 – in den aufgeregten Zeiten, als die Notstandsgesetze diskutiert wurden. Ihren Kritikern hatten Universität und Stadt damals ein öffentliches Podium versagt. hr-Intendant Werner Hess bot den erhitzten Gemütern den Großen Sendesaal des Hessischen Rundfunks an. Am rhetorischen Schlagabtausch beteiligt waren damals Theodor W. Adorno, Hans Magnus Enzensberger, Alexander Mitscherlich, Walter Jens, Martin Walser, Iring Fetcher, Oskar Negt, Ernst Bloch und Rudolf Augstein.